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Die Geschichte der Historischen Bürgerwehr Trochtelfingen:

    Zu den Bürgerwehrpflichten gehörte es immer schon, die Stadt zu bewachen und zu beschützen.
    Das ist für Trochtelfingen im Urbar von 1618 genau festgelegt.

    Danach war jeder Neubürger verpflichtet ein eigenes Gewehr zu haben, der Verkauf einer solchen Waffe
    war bei schwerer Strafe untersagt.

    Satzungen für die Schützengesellschaft, die die Ausbildung der jungen Leute Im Schießen zur Aufgabe hatte,
    waren schon 1665 und später in den Jahren 1677 und 1707 erlassen worden.

    Trochtelfingen besaß zum Beispiel im Jahr 1678 zweihundert Musketen und fünfzig Paar Pistolen sowie eine
    größere Anzahl Karabiner. Schützenordnungen liegen noch vom 8. September 1684 und vom 4. Juli 1720 vor.

    Es handelt sich dabei um Neufassungen früherer Satzungen. In diesen Ordnungen ist verfügt, dass jeder Bürger
    und Bürgersohn wie auch die Beisassen von 18 Jahren acht Jahre lang, und zwar jedes Jahr an vier Tagen
    schießen mussten.

    Über die Schießübungen führten zwei Schützenmeister ein Register. Als Schießtage waren die Sonntage
    “vor und nach der Vesper “ bestimmt. Es wurde mit Gewehren, Stand- und Feuerrohren wie auch mit
    Brustbüchsen geschossen. Bei Schießen mussten die Schützen einen Degen oder Seitengewehr tragen.
    Das Schießen fand beim Schützenhaus statt, das mehrmals den Platz wechselte und der Stadt gehörte.
    Lange Zeit war “Hinter Mauern “, wo heute der Bahnhof steht.

    Es wurde auf verschiedene Scheiben aber auch auf eine Mauer geschossen. Die besten Schützen erhielten
    Gewinne, der erste ein Paar Hosen. Neben den Schützenmeistern gab es noch zwei “Christäbler “,
    welche die Kasse führten und die Strafgelder einzogen.
    Acht Tage nach dem Endschießen hatten die Vorsteher Rechenschaft abzulegen.
    Um die Mitte des 18. Jahrhunderts musste jährlich die Erlaubnis zum Schießen eingeholt werden,
    da allmählich die stehenden Heere aufkamen und die Landesherren Heimwehren nicht mehr gerne sahen.
    So wurde 1746 eine neue Schießordnung, die der Obervogt eingereicht hatte, anscheinend nie genehmigt.
    Die Bewachung der Stadt unterblieb dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
    Die Schützengesellschaft wurde eine private Organisation auf freiwilliger Basis.

    Außer der Bewachung und dem Schutz der Stadt fielen den Schützen auch andere Aufgaben zu, wie
    beispielsweise aus einer “Ordnung zum Fronleichnamfest “ aus dem Jahr 1785 ersichtlich ist.
    Danach sollte  “an dem Vorabend der Bürgermeister durch den Stadtknecht denen Schützen mit unter und
    obere Gewehr soviel man haben kann zur Prozession Einbitten lassen, dies Mannschaft haben die zwei
    Stadt Korporal zu beschreiben mit Dambor und Pfeiffer auch sind die vier Altar aufmacher samt den
    Beller Schüzern um die Ehr Gottes zu befördern zu bestellen, zum schießen soll man aber keine nennen,
    die mit dem Gewehr nicht umzugehen wissen man soll auch nicht hudeln, dass kein Fehler gescheh.
    Von jeher nach alter Gewohnheit wurde bei jeden Evangeli nach dem Segen eine Salve gegeben,
    danach die Beller los geschossen werden.
    Da man mit der Prozession wieder in die Kirche gezogen am End nach jedem Segen wieder eine Salve.
    Das Pulver so viel man braucht wird per conto von der Stadt bezahlt, an diesem Tag werden all und jeden
    Dienstleistende bezahlt folgsam von der Stadt “ .

    Auch beim Einzug der Marktgebühren auf den Jahrmärkten durch den Zolldeputierten hatte die
    Schützengesellschaft mitzuwirken:
    “Der Bürgermeister solle durch den Stadtknecht, die Zoll deputierte wovon vorher gesagt ist, nebst diesen,
    einem Stadtkorporal, deren zwei sind, abwechslungsweise, dem Dambor, den zehn man mit under und
    Obergewehr, auch in der Bürgerschaft so viel möglich abwechseln an dem vorabend einbüthen lassen.
    Der Korporal hat diese Männer zu  Commandieren, das die wache bei dem Schloß, bei dem underen und
    oberen Thor, auch bei den Feuerspritzen, welche zum Statt Brunnen gestellt werden, ordentlich versehen
    werden, übrigens hat der Statt Korporal auf denen Vieh-Märkten auf die  Zollabfahrende, nebst den seinigen
    und dem Stadtknecht, sorg zu tragen und acht zu haben, damit der Statt der Zoll nicht veraberwandelt werde,
    und so jemand den Zoll nicht entrichte “.

    Zur Wiedergründung einer Bürgerwehr in Trochtelfingen kam es im Jahr 1957. Damals hatte man aufgrund
    persönlicher Verbindungen der 1959 in Hechingen wiedergründeten
    Bürgergarde Perkussionsgewehre ausgeliehen, die seit erdenklichen Zeiten in zwei Gewehrschränken auf der
    Schlossbühne gelagert waren und die dank einer List beim Einmarsch der Franzosen im April 1945 der
    Ablieferungspflicht für alle Waffen entzogen waren.
    Zum Kreisfeuerwehrtag am 21. Juli 1957 kam die Idee auf, zur Bereicherung des Festzuges eine
    Bürgergarde in historischen Uniformen aufzubauen.
    Es wurden Uniformen der Hechinger Garde ausgeliehen und tatsächlich marschierte im Festzug eine “Garde“.
    Diese Formation war nur für diesen einen Auftritt bestimmt; sie konnte historischen Kriterien nicht standhalten.

Bürgerwehr 1957

    Nachdem dieser Auftritt in der Bevölkerung einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte, fand man in
    Hans Schoser einen Mann, der sich daran machte, aufgrund nachweisbarer historischer Gegebenheiten
    eine Wiedergründung zu betreiben.

    Anregungen zur Uniformierung wurden einem Gemälde auf Schloß Heiligenberg aus dem Jahr 1684, d
    as die befestigte Stadt Trochtelfingen zeigt, entnommen.

    In dessen Vordergrund ist ein Bürger mit Bewaffnung dargestellt.

    Im Benehmen mit dem Nürnberger Uniformhistoriker Peter Wacker wurde die Uniform endgültig konzipiert
    und auf der Kommandantentagung am 10. Mai 1959 in Mittelbiberach vorgestellt.

    Am Fronleichnamsfest im gleichen Jahr rückte man zum ersten Mal aus. Im Sommer desselben Jahres beim
    Landestreffen der württenbergisch - hohenzollerschen Garden und Wehren in Stuttgart war der
    Fanfarenzug Trochtelfingen erstmals mit dabei, drei Jahre später beim Landestreffen in Laimnau marschierte
    die inzwischen in Bürgerwehruniformen eingekleidete Stadtkapelle Trochtelfingen erstmalig als Musilzug mit.

    Uniformierung:

    Die Uniform der Trochtelfinger Bürgerwehr entspricht der Bekleidung im Zeitraum 1680 bis 1710,
    der Rock im Schnitt des Bürgerkleides ist langschössig, darunter wird die verhältnismäßig langschössige
    Weste (Kamisol) getragen. Beide Kleidungsstücke fallen mit nur leichter Taille glatt am Körper herab
    und zeigen eine durchgehend Knopfreihe.

    Das lose geschlungene Halstuch geht zurück auf die um 1640 zum ersten Mal von kroatischen Soldaten
    (darum “cravate “) in dieser Form getragenen Halsbinde.
    Der breitkrempige schwarze Filzhut ist mit einer Borde eingefasst, (die beim Militär der damaligen Zeit
    bereits der Knopffarbe entsprach).
    Es werden Kniehosen und Strümpfe getragen, dazu ursprünglich Schnallenschuhe mit einer über die Fußbeuge
    heraufgezogenen Lasche, vorne scharf abgehakt.

    In der Farbgebung hielt man sich an die Werdenberger Farben schwarz - weiß, Röcke schwarz mit weißen
    Besätzen auf Ärmelaufschlägen und Schoßtaschenklappen, Knöpfe silbern, Weste rot mit silbernen Knöpfen, Hemd,
    Halsbinde, Hosen und Stümpfe weiß, Schuhe schwarz.

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    Ausrüstung:

    Die Ausrüstung der Bürgerwehrmänner besteht aus Perkussionsgewehren mit Bajonett. Säbel und
    Patronentasche werden an gekreuzten Lederbandelieren getragen.


    Dienstgrade der Bürgerwehr Trochtelfingen:

    Offiziere, Uniform wie beschrieben, auf den Ärmelumschlägen nach Dienstrang silberne Tressen (Hauptmann drei) .
    Schärpe silbern, zweifach schwarz durchzogen. Seit 1966 werden von allen Chargen ab Fähnrich Ringkragen
    (Houssecol) am schwarz - weißem Band um den Hals über dem Rock getragen.
    Platte silbern geschwärzt, darauf das Wappen der Werdenberger - Fürstenberger mit Wappenmantel im
    Stil der Zeit, silbern, für den Hauptmann golden, Mittelschild emailliert.
    Hut mit Silbertressenbesatz.


    Bewaffnung:

    Bewaffnung der Offiziere Degen, der Hauptmann führt ein Sponton.

    Wappen:

    Eine Besonderheit der Bürgerwehr Trochtelfingen ist das am linken Oberarm des Rockes getragene Wappen.
    Auf weißem Grund schwarzer Adler mit aufgelegtem Wappenschild, Umrandung als Wolkenbord blau.

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    Die Fahne:

    Die Bürgerwehr Trochtelfingen führte seit ihrer Wiedergründung eine alte Fahne aus dem Archiv der Stadt,
    dazu eine hübsche Standarte, die ehemals vom Feuerreiter getragen wurde.

    Um die wertvollen Originalfahnen vor dem Verfall zu bewahren, hatte die Wehr sich entschlossen, neue
    Feldzeichen anzuschaffen, die im Jahr 1968 ihre Weihe erhielten.

    Die Standarte wurde als Kopie der vorhandenen Vorlage gestaltet.

    Das Fahnenblatt, ohne Galgen steif an der Stange befestigt, ist dreieckig ausgezackt.

    Auf der Vorderseite ist das Wappen des ehemals Fürstlich Fürstenbergischen Oberamtes Trochtelfingen aufgemalt,
    auf der Rückseite in gleicher Manier das Bildnis des heiligen Martin, des Schutzpatrons der Stadt.
    Die Grundfarbe ist dunkelrot

    Die neue Fahne der Trochtelfinger Wehr geht in ihrer Grundform auf das Muster der im 18. Jahrhundert von den
    Regimentern des “Schwäbischen Kreises” geführten Feldzeichen zurück.

    Der Nürnberger Uniformhistoriker Peter Wacker, der die Entwürfe fertigte, hat in feinfühliger Weise auf diese Vorbilder
    zurückgegriffen, die insofern historische Beziehung haben, als auch Trochtelfingen Soldaten zum Schwäbischen
    Kreisregiment Württemberg stellte.

    Die Fahnen des Schwäbischen Kreises waren seit Beginn des 18. Jahrhunderts einheitlich gestaltet.

    Sie zeigten ( meist auf gelben Grund ) Querlaufende Flammen, die mit ihren Spitzen die Ränder des Tuches berührten
    und in verschiedenen Farben gehalten waren.

    Die Mitte zierte der Doppeladler mit dem Brustschild  “Kreuz und drei Löwen“, genau wie es im Wappen des
    Landesverbandes der württembergisch - hohenzollernschen Wehren übernommen wurde.

    Die Trochtelfinger Fahne zeigt auf weißem Grundtuch sechs schwarze Flammen (Stadtfarben).

    Die Vorderseite trägt als Herzstück das gemalte Wappen der Herren von Trochtelfingen, bis 1806 Werdenberg-Fürstenberg,
    auf der Rückseite ist der Schutzpatron St. Martin dargestellt

    Kunstmaler Emil Pörner hat die Malerei dem Zeitstil vortrefflich nachempfunden.

    Das Fahnentuch ist ca. 1,50x1,50 Meter groß, die Fahnenspitze, von Josef Hack handwerklich angefertigt, stellt eine breite
    Zunge mit dem “ fliegenden Kreuz “ , dem Trochtelfinger Fleckenzeichen dar.

Vorderseite Rückseite Standarte Vorderseite Standarte Rückseite

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